Gedanken zu Juni 2018

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.      Hebräer 13 Vers 2

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Was für ein schöner und wahrer Satz, diese Überschrift zum Monat Juni.

Nicht auszudenken, dieser Satz wäre eine Überschrift zur deutschen Willkommenskultur – oder zur geforderten „deutschen Leitkultur“. Da würde er wohl manche Einschränkung erfahren. Ob die Bibel dann von denen, die viele neue Grenzen fordern, noch zur „deutschen Leitkultur“ gehörte?

Gastfreundschaft war früher noch etwas anderes als heute. Es gab kaum Herbergen oder Hotels. In fremden Gegenden konnte man sich nicht einfach etwas kaufen, um zu essen oder zu trinken. Mitunter sprach man auch die Sprache der anderen schlecht oder gar nicht – und eine Sprache, die alle verstehen, gab es eher nicht. Man war auf Reisen wirklich „fremd“ und hatte wenig Zugang zu den anderen Orten, auch schon auf der Durchreise. Zudem war das Reisen als solches beschwerlich, man verletzte sich schnell. Was also tun? Natürlich auf Menschen hoffen, die das verstehen, weil es ihnen womöglich schon ähnlich ergangen war. Man klopfte an die Türen der Fremden und bat um das, was man nötig hatte. Und konnte auf Menschen treffen, die auch religiös vollkommen verschieden waren. Vielleicht Menschen, die der „neuen“ Religion des christlichen Glaubens angehören. Und eben die erhalten im Hebräerbrief einen Rat.

Es könnten Engel unter den Gästen sein. Ein schöner Rat, stimmt aber leider nicht immer. Es können auch Strolche darunter sein. Natürlich! Aber rechtfertigt dieses das Schließen aller Türen und Herzen? Rechtfertigt enttäuschtes Vertrauen, daraufhin nie mehr zu vertrauen? Nein, sagt der Verfasser, der den Hebräern schreibt – wohl Juden, die zum Christentum übergetreten waren. Misstrauen ist kein Wert an sich. Vorsicht vielleicht, aber Misstrauen nicht. Wagen wir es wieder, wenn ein Fremder in unserer Nähe ist, ihm Vertrauen entgegen zu bringen. Er muss ja nicht gleich in unseren Betten schlafen. Laden wir ihn doch als möglichen ersten Schritt zu einer Tasse Kaffee oder Tee ein. Er soll aber um Christi willen nicht ohne Hilfe bleiben.

WB