Gedanken zu Monat Juni

„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm und lass mich deinem Herzen nahe sein. Denn Liebe ist so stark wie der Tod und genauso unüberwindlich.“

Monatsspruch Juni, Hohelied 8 Vers 6

 

Starke Worte, starke Worte aus einer Liebeserklärung, die aus dem Herzen spricht. Mich berührt sie sehr!  Aber sind diese Worte nicht zugleich etwas erschreckend, wie es wohl immer ist, wenn etwas in unserem Leben mit dem Tod konfrontiert oder verglichen wird? Dem Geliebten hier im Hohenlied ist es ernst, ihm ist es todernst mit seiner Liebe zu seiner Geliebten. Auch seine einleitenden Worte zu dieser Liebeserklärung in Vers 6 berühren mich sehr: „Unter dem Apfelbaum, da habe ich deine Liebe geweckt, dort, wo deine Mutter dich empfing, wo sie dir das Leben gab.“ Können wir uns noch erinnern an das Initiationsereignis unserer „großen Liebe“ ?  …. Wie war das damals?  Es geht hier nicht um Ro-mantik, jedenfalls nicht in erster Linie. Es geht um eine Schlüsselerfahrung, spirituell nennt die Bibel das „Chairos“. Aber weshalb jetzt der Vergleich mit dem Tod? Der Tod ist unüberwindlich; der Tod ist unentrinnbar zwingend; der Tod gehört konstitutiv zum Leben, zu allem Lebendigen. Niemand, absolut niemand kommt an der Wirklichkeit des Todes vorbei!      Dann aber spricht der Liebende hier weiter (in Vers 6): „Wen die Liebe erfasst hat, der kennt ihr Feuer. Sie ist eine Flamme Gottes!“ …Und wer das schon einmal erfahren hat, wem die Liebe schon einmal begegnet ist, der weiß, wovon der Geliebte hier spricht, der weiß, wovon ich hier spreche. Liebe ist ein unauslöschliches Feuer, so vergleicht der Geliebte sie hier. Liebe ist eine Flamme Gottes!  Wer es mit der Liebe zu tun bekommt, der begegnet darin Gott selbst, der betritt einen heiligen Raum, und es ist unausweichlich; die Liebe ist unausweichlich.

Und damit hier kein Missverständnis aufkommt: es geht nicht um ein romantisches Gefühl von Verliebtheit. Leider verwechseln das viele Menschen. Liebe hat eine ganz andere Qualität:  Liebe ist bedingungslos, grenzenlos, unausweichlich; sie hört nicht auf.

Und nun geschieht in vielen Fällen etwas sehr Tragisches: Wenn die Liebe denn wirklich kommt, wenn sie zu einem Menschen kommt und ihn trifft wie ein Blitz, erschrecken die meisten Menschen zutiefst. Sie bekommen große Angst und laufen davon; sie laufen vor der Liebe davon.

Sie wollen sie nicht. Die Liebe ist ihnen viel zu heiß, denn sie fordert Konsequenz und sie fordert Verantwortung. Darum ist die Liebe fast ausgestorben in der Welt.

Der Geliebte hier im Hohenlied lässt sich davon nicht beeindrucken. Er folgt der Liebe, die ihn ruft und macht die beglückendste Erfahrung seines Lebens.

Diese Erfahrung machte auch Jesus von Nazareth immer wieder in seinem Leben. Er verkörperte mit seinem Leben, mit seinem Wesen, mit seinem Handeln, dass Gott, an den doch alle „glaubten“ – so meinten die Menschen jedenfalls – Liebe ist. Viele Menschen empfanden das als Provokation; vielen machte das Angst. Es machte ihnen letztlich so große Angst, dass sie ihn umbrachten.

Mit Jesus von Nazareth erfährt der Satz aus dem Hohenlied: „Liebe ist so stark wie der Tod“  eine entscheidende Transformation: „Die Liebe ist stärker als der Tod.“

Es ist zuerst Maria Magdalena, für die dies eine tiefe existentielle Erfahrung wird: Ihre Liebe zu Jesus, die ja schon zu seinen Lebzeiten innig und tief verwurzelt war, erweist sich als stärker als der Tod, als sie am Ostermorgen zum Grab kommt. Dort macht sie für sich die existentielle und spirituelle Erfahrung, dass die Liebe, dass ihre Liebe zu ihrem Freund und Lehrer stärker ist als der Tod. Damit hat der Tod seine Macht verloren. Was dort am Grab wirklich passiert ist, wissen wir nicht; wir haben nur die Nachricht der Maria Magdalena in mythologischen Bildern, wie sie uns die Evangelien berichten, bei Lukas mit dem Hinweis: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?“ Doch es war die Initiation zur Entstehung der christlichen Kirche.

Maria Magdalena war ja mit einigen wenigen diejenige, die bis zum Schluss bei Jesus blieben, als alle anderen sich aus dem Staub gemacht hatten und Petrus seinen Lehrer verleugnete. Maria Magdalena war die erste Botschafterin der Auferstehung. Sie erhält nach Aussage der Evangelien vom Auferstandenen selbst den Auftrag, die Botschaft der Auferstehung den anderen Jüngern weiterzusagen, die es erst nicht glauben wollen.  Diese existentielle Erfahrung gibt ihr Kraft und Hoffnung; und es gelingt ihr, auch die anderen Jünger zu überzeugen.

„Liebe ist so stark wie der Tod“, so sagt der Geliebte in seiner Liebeserklärung im Hohenlied. „Die Liebe ist stärker als der Tod“, so erfährt es Maria Magdalena und später auch andere. – Wirklich starke Worte!

Glauben wir das? …. Und mit welcher Konsequenz?

VW

Neue Regeln für Präsenzgottesdienste

Neue Coronaregeln in der EFG DU-Mitte

Alle Einschränkungen entfallen.       –> ABER

Maskenpflicht bleibt empfohlen, wo Abstände nicht eingehalten werden können und besonders beim gemeinsamen Gemeindegesang.

Die Stuhlreihen wurden bereits dichter gestellt, sodass auch die Besucherbeschränkung aufgehoben ist.

Eigenverantwortliches Handeln ist auf Grund der aktuellen Coronalage dennoch geboten.

Räume sind vor Beginn gut zu lüften. Bei wärmeren Temperaturen kann auch während der Veranstaltung gelüftet werden.