Gedanken zu September 2019

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Matthäus 16 Vers 26, Monatsspruch September 2019

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Satz Jesu klingt wie ein Fest für Deutschlehrer mit drei Konjunktiven in einem Satz. Wir wollen ihn uns auf der Zunge zergehen und den Ohren schmeicheln lassen: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Aber Jesus sagt es nicht einfach, er sagt es in der Möglichkeitsform. Das ist seine Form von Höflichkeit und seine Mut machende Aufforderung zum Nachdenken.

Wir neigen als Menschen dazu, die Welt zu gewinnen. Das ist verständlich und in Ordnung. Die Mittel sind es oft nicht und die Ziele auch nicht, aber der Antrieb zum Erobern der Welt ist menschlich und verständlich. Das war schon im Paradies so, als Eva und Adam eine nahezu grenzenlose Freiheit in schönster Umgebung hätten genießen können – sich dann aber an der einzigen Grenze störten, die es für sie noch gab: den Früchten dieses einen Baumes. Nachdem sie nach einigem Hin und Her die Grenze überschritten hatten, mussten sie mit den Folgen ihres Tuns leben. Ihre Seele nahm zunächst Schaden durch den beinahe tödlichen Schrecken, der in sie fuhr. Anschließend schadeten sie ihrer Seele durch das Leben in einer sehr viel raueren Welt.

Der Mensch soll erobern dürfen, aber er soll dabei auch seine Grenzen wahren. Er ist nicht Gott – und „Gott spielen“ bekommt seiner Seele überhaupt nicht gut. Was „Gott spielen“ in seinem ganzen Schrecken bedeutet, lernen wir z.B. mit dem Blick auf den von Deutschland gewollten Zweiten Weltkrieg, der vor 80 Jahren begann, unfassbares Leid brachte und vieles in Europa noch heute bestimmt.

Wer die Grenze des Menschseins überschreitet, zerstört oder nimmt doch Schaden an seiner Seele. So einfach denkt Jesus – so einfach ist es auch. Die Seele eines Menschen heißt Mensch, nicht Gott. Da haben wir uns schnell mal verhoben, wenn wir diese Grenze überschreiten.

Sie ist aufgehoben in den Zehn Geboten. Leider ist auch dort nie alles eindeutig. Darum dürfen wir fragen, suchen, die Freiheiten nutzen – und im bösen Fall der Fälle um Gottes Erbarmen bitten. Hochmut ist, mehr sein zu wollen als man ist, seine Grenzen nicht mehr zu kennen oder nicht mehr kennen zu wollen. Demut ist, Gott um Erbarmen zu bitten. Sie heilt manchen Schaden an der Seele – so ist es doch.

WB