Gedanken zu April 2021

„Ganz der Papa!“ – „Ganz die Mama!“

Was für eine aufgeregte Freude, wenn ein Kind geboren wird. In der Regel wird dann ein Phänomen zu beobachten sein: die Menschen aus dem engen Umfeld des Kindes werden gewollt oder ungewollt nach Ähnlichkeiten mit den Eltern suchen und diese wohl meistens auch finden. Dann kann man hören: „Ganz die Mama!“ oder „Ganz der Papa!“ häufig je nachdem, aus wessen Herkunftsfamilie er / sie stammt. Und auch in späteren Jahren wird man so oder ähnlich noch vernehmen können: „Du bist ja deiner Mutter/ deinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten.“

Offensichtlich drängt uns Menschen etwas dazu, die Herkunft eines Menschen feststellen zu wollen. Wir wollen etwas erfahren von unserem Gegenüber, etwas aussagen können über diesen Menschen oder ihn einfach nur einordnen können. Jedenfalls scheint uns die Herkunft eines Menschen, mit dem wir zu tun haben, von Bedeutung zu sein.

Der Monatsspruch kommt diesem Bedürfnis nach, auch wenn dies nicht sein eigentlicher Sinn ist. In Kolosser 1 Vers 15 lesen wir:

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der zuerst
Geborene: Vor allem Geschaffenen war er da. (BasisBibel)

Christi Herkunft wird uns damit mitgeteilt: Christus ist das Ebenbild Gottes. „Ganz der Papa“ eben, oder auch: „Ganz die Mama!“ Unser Retter wird hier eindeutig dem Schöpfergott zugeordnet und das Oster-Ereignis somit als realistisch dargestellt, denn mit Menschenkraft ist Ostern nicht zu verstehen. Einem Gott allerdings ist nichts unmöglich und somit ist Christus u.a. die Brücke für unser Verstehen.

Aber damit noch nicht genug. Es heißt: vor allem Geschaffenen war er da. Dies deutet auf Gott selbst hin, denn von ihm wissen wir, dass er von Anfang an da war und sogar selbst der Anfang ist. Damit ist Christus nicht nur ein Nachkomme Gottes oder billiger „Abklatsch“, sondern unser Monatsspruch offenbart uns in dieser (vor-)österlichen Zeit Christus als Gott selbst. Er ist also wirklich GANZ Papa und gleichzeitig GANZ Sohn.

Liebe Geschwister, ich verstehe diesen Vers als Hoffnungsbringer und Bestätigung, dass weder Karfreitag noch Ostern das Ende waren, sondern einen Umbruch bedeuten. In Christus kommt uns nun der Schöpfergott im Alltag entgegen und wird für jeden persönlich. Er verzichtet auf den Mittler, wie es Mose einer war, und spricht selbst zu uns. Dieser „Vater-Sohn-Christus“ war schon immer für uns, denn er selbst hat uns ja erschaffen. So leidet Gott selbst in Christus für uns alle, die wir ohne ihn lebten und auch für diejenigen, die heute noch ohne ihn leben. Christus möchte diese Nähe zwischen Gott und uns ermöglichen.

Indem er uns Menschen seine Kinder nennt, setzt er dem Ganzen im wahrsten Sinne des Wortes noch die Krone auf, denn damit sind auch wir Teil der göttlichen Familie, Teil der göttlichen Gemeinschaft und Ebenbilder Gottes.

Klingt das vermessen? Ich finde, es klingt einzigartig und es macht mich fröhlich, ja, in diesem Moment zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht. Christus, der unsichtbare GOTT FÜR UNS, will die Gemeinschaft mit jedem Einzelnen von uns, weil er uns so sehr liebt. Durch diese Liebe ist der Unsichtbare spürbar. Und weil wir durch Christus Ebenbilder Gottes sind, werden Menschen, die mit uns zu tun haben, erkennen, dass wir zu Gott gehören. Da kommt es nicht darauf an, ein perfektes Leben zu führen, auch nicht darauf, niemals Fehler zu machen. Nein, gerade im So-sein wie wir sind, wird Gott als unser Vater erkennbar. Besondere Aktionen, spezielle Worte oder Taten sind nicht nötig. Einfach, wenn Menschen uns beobachten und erleben, werden sie sagen: „Das muss ein Gotteskind sein!“

Möge Gott Euch in dieser Zeit um Ostern herum mit der Gewissheit segnen, dass Gott für Euch ist und ihr Gottes Ebenbilder seid. Möge Gott Euch Begegnungen schenken, in denen Menschen an Euch Gott erkennen. Seid aber auch getröstet, wenn ihr genau das nicht mitbekommen solltet. Gott wirkt in jedem Fall. Das Meiste davon kriegen wir nur nicht mit.

TMF