Gedanken zu Oktober 2018

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen

Monatsspruch Psalm 38 Vers 10

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dieser noch harmlose Satz steht mitten in einer heftigen Klage (Psalm 38,1-15). Gott wird angeklagt, wie in vielen Psalmen. Als sehe er das Elend des Glaubenden nicht, breitet er es vor Gott aus in drastischen Worten: Es ist nichts Gesundes mehr an meinem Leib, heißt es da. Ich gehe krumm und gebückt. Ich bin wie taub. Das Licht meiner Augen ist dahin. Ich schreie vor Unruhe meines Herzens. Hier leidet einer an der Feindschaft der anderen, die ihm nach dem Leben trachten. Sie werden nicht genauer bezeichnet, die Feinde. Es ist aber deutlich, dass Gott doch alles wissen müsste – und er scheint das nicht zu ändern. Da muss man schon mal klagen, ja schreien.

Hier ereignet sich ein Kampf an mehreren Fronten. Der Leidende kämpft gegen sich und seine gefühlte Sünde. Er kämpft gegen Gott, der ihn vielleicht straft. Schließlich kämpft er gegen seine vermutlich gottlosen Feinde, die ihm nachstellen und dabei guter Dinge zu sein scheinen. Und zwischen all diesen Worten verbirgt sich die nicht gestellte Frage des Betenden: Warum das alles, Gott? Warum geht es nicht anders?

Weil Gott eben Gott ist, kann die Antwort nur heißen, auch wenn sie unbefriedigend ist.

Aber es ist die einzige, die uns ein wenig tragen kann. Weil ich mit Gott nicht auf Augenhöhe „verhandeln“ kann, sondern ihm ausgeliefert bin. Nein, das Wort ausgeliefert ist reines Empfinden. Kommt der Verstand hinzu, muss es heißen: Weil es Gottes Größe entspricht und ich diese Größe nicht habe. Ich habe eine andere Größe, und auch die steht in dem Gebet (Vers 16). Nach der Klage kommt die Vergewisserung. Ich verstehe Gott nicht – wie sollte ich auch bei seiner Größe? Aber ich bediene mich meiner Größe: Ich harre, ich hänge an ihm. Ich lasse dich nicht, Gott, bis ich den Segen erkenne, den du mir schenkst. Diese Größe haben wir und sollten wir nutzen – bis Gott sich uns erklärt.

WB