Gedanken zu Mai 2018

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft

und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht

Hebräer 11 Vers 1

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dieser Satz schwankt, als ginge man auf einer Hängebrücke. Etwas verspannt hält man sich fest an den Worten „Glauben“ und „Hoffnung“, und hat zugleich, voller Sorge, auch das Wort „Zweifel“ vor Augen. Es ist wie damals, zu Zeiten des Hebräerbriefs, etwa um 100 nach Jesu Geburt. Da schwankten die Christen ziemlich mächtig. Sie waren wenige, strahlten aber doch etwas aus und zwar so sehr, dass manche voller Neid waren auf die Gewissheit dieses Glaubens. Andere verlangten eine Abkehr von diesem Glauben und eine Hinwendung zum „alten“, vertrauten, jüdischen Glauben. Hilfe von den Leitern der Gemeinde gab es so gut wie nicht. Also schwankten viele und lasen dann noch Sätze des Hebräerbriefes, die gut gemeint waren, aber die Unsicherheit nicht beendeten.

Immerhin steht hier das Wort „Zuversicht“. Man kann auch zuversichtlich schwanken. Mehr Sicherheit gibt es nicht im Glauben. Heute kann ich meiner gewiss sein, morgen beginne ich zu zweifeln. So ist das. Wenn mir meine Welt gerade sicher erscheint, ist es die Welt anderer noch lange nicht. Der Zweifel lauert überall – und kriecht dann zu mir.

Warum muss manchmal sein, was ist? Das ist die Grundlage des Glaubens. Und Gott antwortet nicht – scheinbar. Ich muss mir antworten, mit Zweifeln und mit Zuversicht.

Oft sehe ich die Güte Gottes nicht, oft erkenne ich Gottes Erbarmen nicht. Manchmal schwanke ich so sehr, dass mir schwindelig wird. Dann gibt es nur eins: Zuversicht. Und die heißt: Gott ist bei mir. Er hält mich bei meiner rechten Hand. In dieser Zuversicht laufe ich vorsichtig, Schritt für Schritt. Es ist keine leere Zuversicht – immerhin. Ich halte mich an Gottes Versprechen so lange, bis es wieder an mir wahr wird und die Zuversicht zur Hoffnung wird.

WB