Besinnliches zu September

„Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat!“

2. Korintherbrief, Kapitel 5 Vers 19

 

Ja, das muss einmal gesagt werden: Gott spielt eine Rolle in dieser Welt, auch wenn die meisten es offenbar nicht glauben oder sehen (wollen). Gott war es, der die Welt erschaffen hat – auch das wird nur von einer Minderheit der Menschen geglaubt. Gott war es, der das Leben erfunden hat, das Leben in einer unzähligen Zahl unterschiedlicher Ausdrucksformen – ob Pflanze, Tier oder gar der Mensch, der sich immer schon vom Tier in seinem Sein abgegrenzt hat, ohne wirklich etwas Besseres zu sein. Wir sind alle zusammen eine gute Idee Gottes. Das muß doch auch mal gesagt werden! Ja, Gott führt durch die Geschichte des Lebens wie ein roter Faden, der alles verbindet und zusammenhält.

Doch diese Idee des Lebens und einer Welt, auf der alle zusammen existieren, hat auch eine Komplexität, ein Miteinander-Verwoben-Sein, wie wir es nur bruchstückhaft erfassen können. Trotz vielfältiger Forschungserkenntnisse haben wir immer noch mehr Fragen als Antworten, auch wenn diese inzwischen mehr ins Detail gehen. Unsere Erkenntnis ist wichtig – bleibt aber bruchstückhaft – und ob wir am Ende aus unserer Erkenntnis etwas Sinnstiftendes folgen lassen, liegt im Auge des Betrachters.

Am Beispiel dieses tückischen Corona-Virus zeigt sich unsere Begrenztheit – sowohl in der Erkenntnis als auch im Handeln. Wir sind nicht die Herren dieser Welt, auch wenn wir uns immer wieder so gebärden.

Diese Form von Bescheidenheit oder Demut ist eine aussterbende Art. Vielmehr nimmt der Mensch sich aus dieser Welt, was ihm nützlich ist, um das Leben für ihn angenehmer zu gestalten – und das ohne die Folgen für das System des Lebens als Ganzes zu berücksichtigen. Plakatives Beispiel: was in Corona-Zeiten politisch durchgesetzt wurde, findet in Zeiten des Klimawandels nicht annähernd seine Entsprechung, obwohl hier ganz andere Folgen für uns zu befürchten sind. Mehr denn je hat die Schöpfung, aber auch der Mensch darunter zu leiden. Aussterbende Arten – wen juckt es, Plastik statt Nahrung in den Bäuchen der meisten Tiere – ist bedauerlich, aber auch weit weg. Kriege in menschenverachtender Weise mit Akteuren, mit denen wir ökonomisch verwoben sind und daher einen moderaten Ton der Kritik anschlagen: Business as usual – das Leiden der Opfer von Gewalt und Willkür ist der Kollateralschaden unseres Wohlstands. Wir sind nicht versöhnt – weder mit der Schöpfung noch mit den Menschen um uns herum. Wir wundern uns nicht wirklich, dass die gute Botschaft Gottes, der wahre Ausweg aus unserem menschlichen Dilemma, keinen wirklich anspricht.

Die Menschheit wartet also seit Jahrtausenden nicht auf Gott und sein Angebot der Versöhnung – die Menschheit macht weiter – ohne ihn oder in einer religiösen Verzerrung seiner Botschaft. Überwiegend jedenfalls. Das Geschöpf emanzipiert sich vom Schöpfer, um sich selbst zu feiern – und droht, damit alles vor die Wand zu fahren. Das Angebot der Versöhnung bleibt bestehen. Seit mindestens 2000 Jahren steht nun diese Aussage im Raum. Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, dass die Welt die Notwendigkeit einer Hinwendung zu Gott dem Versöhner nicht erwägt und wir die gute Nachricht wie sauer Bier verkaufen müssen. Manchmal komme ich mir vor wie Jona, der den Ruf zur Umkehr auch nicht nach Ninive tragen will, weil ihn vermeintlich doch keiner dort hören wird.

Zugleich bedeutet mir die Versöhnung sehr viel – denn sie trägt zu meinem inneren Gleichgewicht bei, meinem Schuldigwerden an so vielem, meiner Inkonsequenz, das Gute zu wollen und doch oft auch das Falsche zu tun. Ich kann und will nicht ohne Gott gehen – auch wenn die Welt einen anderen Weg geht. Ich freue mich daher, mit Euch gemeinsam anders unterwegs zu sein, auch wenn es die Welt nicht interessiert.

Herzlich Ihr / Euer

Kai Jacobi